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„Balancing Triathlon with Life“

by Jens Richter

 In der Dreifach-Kombination von Sport, Familie und Beruf sind Heike und Harald Funk erfolgreich wie vielleicht kein anderes Paar in diesem Sport

Längst liegen Fußball und Triathlon in Frederics Gunst wieder gleichauf. Vor ein paar Monaten sah das noch ganz anders aus, da war Triathlon die unangefochtene Nummer eins: Der Triumph-Lauf durch das Ziel an der Hilpoltsteiner Schleuse, das war ein Spaß, mitten durch all die jubelnden, Luftballon schwenkenden Zuschauer. Links die strahlende Mama, die gewonnen hatte, rechts der starke Papa, der kurz hinter dem berühmten Lothar Leder Dritter geworden war.

Vier Wochen übte der Fünfjährige fleißig, dann tauschte er die Rollen. Am 5. Juli, dem Tag vor der großen Quelle Challenge 2003, im 2. Forever Young Schülertriathlon von Roth, schwamm Frederic Funk zum ersten Mal in seinem Leben eine 50 Meter-Bahn ganz ohne Am-Rand-Festhalten. Das dauerte fast vier Minuten, Vorletzter war er danach, und die Konkurrenz war um Minuten enteilt. Doch Frederic, der Jüngste im Feld, wusste längst, was andere Kids noch nicht wissen konnten: Abgerechnet wird am Schluss! Hochkonzentriert und unbeirrt wechselte, radelte und rannte er durch die verbleibenden drei Kilometer seines ersten Triathlon und freute sich über die erfolgreiche Aufholjagd. - Er wurde Dritter der jüngsten Altersklasse. Dafür gab es viel Applaus und einen Preis.

"Für die Gänsehaut"

Das ist aber schon lange her, Monate. Inzwischen geht Frederic in die erste Klasse, spielt jeden Tag Fußball, klettert mit seinen neuen Freunden und sagt: „Eigentlich finde ich allen Sport gut.“ Den Jubel seiner Eltern Heike und Harald am 6. Juli, den hat er bei der Oma im Fernsehen gesehen.

 Foto: Frank BoxlerFoto: Frank Boxler

Über diesen Tag sagt Heike Funk heute: "Roth 2003 war das Rennen meines Lebens! Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Für solche Erlebnisse mache ich den Sport." – Es war das große Heimspiel der 35-Jährigen, die aus dem benachbarten Röthenbach stammt und die "Faszination Roth" seit ihren Anfängen kennt. Es war natürlich auch der gut geplante Saisonhöhepunkt der dreifachen Mutter von Frederic, Anna-Marie (3½) und Marc-Philipp (1½).

Elf Siege in Folge konnte Heike bis zu jenem ersten Sonntag im Juli feiern, zwei davon bekamen sportlich einen ganz besonderen Stellenwert: Auf der Mitteldistanz in Hilpoltstein und im Kurztriathlon von Erding konnte sie ihre schärfste Kontrahentin im Kampf um den WORLD’s BEST-Gesamtsieg, die Darmstädterin Nicole Leder, deutlich schlagen. Heike Funk und ihre vier Jahre jüngere Konkurrentin, ebenfalls Mutter einer fünfjährigen Tochter, kennen und fürchten sich seit Anfang der neunziger Jahre. Damals wechselten beide vom Schwimmsport zum Triathlon und waren in der neuen Sportart schon nach kurzer Zeit ziemlich erfolgreich.

Vom Raddruck überrumpelt

Bei überregionalen Meisterschaften trafen sie damals als Nicole Mertes und Heike Feichtmayr aufeinander, mal lag die eine vorn, mal gewann die andere. Während die Kurzstreckenspezialistin Mertes vor allem mit ihrem Laufspeed oft das Blatt noch wenden konnte, suchte die Langstreckenspezialistin Feichtmayr stets auf dem Rad ihr Heil in der Flucht und war damit immer wieder erfolgreich. Im Sommer 2003 war es nicht anders.

Mit ihrem Raddruck überrumpelte die 35-jährige Grundschullehrerin Funk die vom Ironman Japan wohl noch etwas müde Profitriathletin Leder im WORLD’s BEST-Serienauftakt, distanzierte sie auf 90 Radkilometern um über zwölf Minuten und war so nicht mehr einzuholen. Nicole war verunsichert: „Darunter hat mein Selbstbewusstsein ganz schön gelitten“, gab die Ehefrau von Lothar Leder zu Protokoll – und erlebte auf der Erdinger Kurzdistanz prompt dasselbe Debakel. Doch beide Frauen wussten: Die Langstrecke hat ihre eigenen Gesetze. 

Funk, die Deutsche Meisterin des Vorjahres, kämpfte auf der Laufstrecke am Main-Donau-Kanal "wie noch nie", während Leder mit einem Fabelmarathon vorbeizog und gewann. Doch als die ungarische Topfavoritin Erika Csomor ebenfalls passierte, konterte Funk und gab alles. Im Ziel reichte die Kraft kaum noch zum Jubel über Platz zwei.

Kurze Reize wirken

Das Jubeln übernahm Heikes Ehemann Harald. Er war kurz zuvor im Männerrennen Neunter geworden, auch seine Leistung ist erstaunlich: Der 35-Jährige arbeitet seit knapp einem Jahr als Assistent an der Orthopädischen Reha-Klinik Medical Park, im Winter 2004 steht die Facharztprüfung für Physikalische Therapie und Rehabilitation auf dem Plan. Rund 45 Stunden pro Woche verbringt Funk im Krankenhaus, dazu kommen die Nachtdienste, drei bis vier jeden Monat.

"Wir haben uns ein ausgeklügeltes Zeitmanagement ausgedacht", sagt Funk, der aber zugibt, dass "die größere Last der Kindererziehung und Haushaltsarbeit" derzeit bei seiner Ehefrau liegt. Wenn es nicht in Strömen regnet, sitzt der Mediziner um acht Uhr auf dem Rad und fährt die rund zwanzig Kilometer runter zur Klinik am Ufer des Chiemsee. Zwischen fünf und sechs am Abend ist er zurück.

"Grundlagentraining", nennt er das und weiß, dass die Konkurrenz schon für Regenerationseinheiten doppelt so viel Zeit einplant. Doch erstens sind die Möglichkeiten für einen dreifachen Vater und vollbeschäftigten Assistenzarzt nicht vergleichbar, zweitens schöpft Funk als früherer bayerische Spitzentriathlet aus einer rund 15-jährigen Trainingserfahrung: "Viele glauben immer noch, allein mit großen Umfängen könne man sich auf eine Spitzenleistung im Langstreckentriathlon vorbereiten. Doch auch die kurzen Reize wirken." Qualität statt Quantität, mit teilweise sehr ungewöhnlichen Methoden. Funks letzte Umfangsbelastung vor Roth war etwa 120 Kilometer lang, dreimal machte er Pause: Zum CD wechseln bei Sohn Frederic, der "bei der Tour hinten im Anhänger saß, laut Märchen hörte, zwischen durch essen und trinken wollte und pinkeln musste."

"Balancing Triathlon with Life", so nennt Harald das Funk'sche Sportverständnis: "Wir glauben, dass wir mit der Art, wie wir den Sport leben und mit anderen Bedürfnissen ausbalancieren, ein Vorbild sein können", sagt Funk. Auch bei Ehefrau Heike, die seit dem Beginn des neuen Schuljahres wieder als Grundschullehrerin arbeitet, baut Funk die „Kerneinheiten“ geschickt in den ohnehin kräftezehrenden Tagesablauf. Frederics morgendlicher Weg zur Schule ist für Heike das Kraftausdauer-Training. Für den rund fünf Kilometer weiten Weg nimmt der Sohnemann auf dem Kindersitz des Fahrrades  Platz, während sich die dreieinhalbjährige Anna-Marie und der gut einjährige Marc-Philipp im angekoppelten Kinderanhänger sanft schaukeln lassen. Später, bei den Laufeinheiten von Heike, trällern die beiden Jüngeren im Babyjogger-Doppelsitzer vor sich hin, bis sie die Nachmittagsmüdigkeit übermannt, Frederic kurbelt motiviert auf dem Kinderrad nebenher, vorausgesetzt die Reise hat ein attraktives Ziel: Pferdewiese, Spielplatz oder Segelflugschule. "Bei diesen Touren haben wir die besten Gespräche", weiß Heike. "Frederic wird nicht durch andere Dinge abgelenkt und erzählt von seinen Freunden und der Schule."

Motivierende Ziele

Hinter dem kleinen, ehemaligen Bauernhaus an einem schmalen Fahrweg neben der Straße von Unterwössen nach Reit im Winkl parken zwei etwas betagte, wenig genutzte Familienlimousinen hessischer Bauart. Beiden sieht man an, dass in der großen Garage kein Platz mehr für sie ist. Hinter deren schweren, hölzernen Flügeltüren behalten nur Eingeweihte noch den Überblick: Mindestens sieben mehr oder weniger komplette Rennräder aus Stahl, Alu oder Carbon hängen an den Wänden, ungezählte Laufräder, Luftpumpen, Werkzeug und Kleinteile lagern im hinteren Teil. Links vorn stehen – wie könnte es anders sein – Kisten mit Mineralwasser, Apfelsaft und – Weißbier. Ganz vorn in der Pole-Position warten jetzt, im Spätherbst, zwei bis drei Mountainbikes und das große, Funk'sche Tandem. Bei dem kann Frederic seit einem Spezial-Umbau im Sommer über ein oben montiertes, drittes Kettenblatt mit kurzen Kurbeln kräftig mittrampeln. In den langgezogenen Steigungen des voralpinen Chiemgau "eine echte Hilfe", findet Heike.

Weil die Wochenend-Wanderer am Straßenrand über das forsch vorbeiziehende Familiengespann regelmäßig lachen müssen, hat sich Frederic anfangs sehr geschämt. Auch jetzt noch starrt er dann jedes Mal konzentriert auf den arbeitenden Rücken seiner Mama oder schaut sich um, ob Papa mit Anna-Marie und Marc-Philipp im Anhänger in der Steigung dranbleiben kann. – Diesmal geht es hinauf nach Kössen, zum großen Abenteuerspielplatz. Darum tritt Frederic besonders kräftig in die Pedalen.

 

und hier ist der Text (gegenüber dem Ursprungstext von Jens Richter leicht gekürzt) im Originallayout:

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