16.05.2004 900 Höhenmeter: Der Weg nach Roth war heute ziemlich steil...
Von der Platzierung her konnten wir den beim
Chiemseelauf gesetzten Standard mit der Doppel-Eins beim heutigen
Hochgernlauf nicht ganz halten, aber im Grunde waren wir doch zufrieden:
Heike belegte in der Gesamtwertung (Bayerische Berglaufmeisterschaft) Rang
drei, ich wurde 23. bei den Männern. Klingt nicht besonders schnell, aber
wir waren immerhin beide (mit 51' bzw 45') jeweils einige Sekunden
schneller als im vergangenen Jahr, obwohl die äußeren Bedingungen eher bescheiden
waren (Dauerregen vom Start bis ins Ziel und damit glitschiger Untergrund,
diverse Sturzbäche auf der Wettkampfstrecke = Wanderpfad).
Der Triathlet an sich ist ja für Bergläufe eher
schlechter geeignet: Die ganze Schwimmuskulatur, mühsma antrainiert,
muß man als Ballast den Berg hochschleppen. Ein bischen kam ich mir heute
vor wie Mario Cipollini bei einer Bergetappe vom Giro, nur daß auf meine "Gruppetto,
Gruppetto"-Rufe niemand richtig reagierte und keine Zuschauer da waren, die
bereit und motiviert gewesen wären, mich den Berg hinaufzuschieben...
im Ernst, es waren heute gleichzeitig die
bayerischen Berglaufmeisterschaften und die Konkurrenz dementsprechend
stark. Auf den ersten 1,5 km konnte ich noch mit der Spitze mithalten ( da
hatte es auch nur eine Steigung von 3-4 %) aber als es dann richtig (mit
10-20%) bergauf ging, da sprangen die 60kg-Bergziegen nur so an mir vorbei,
obwohl ich mit Puls 162-168 an meiner individuellen Anschlagsgrenze
fightete. Immerhin behauptete ich mich noch mit knapp 3 Minuten Vorsprung vor
der ersten Frau. Die Damen von der SG Katek Grassau wurden mit Heike, Burgi
Maier und Gabi Neubert sogar Bayerischer Mannschaftsmeister!
Spaß hat's trotz Sauwetter auf alle Fälle gemacht
und endorphindurchflutet genoss ich auch trotz zweistelliger Plazierung den
Zieleinlauf. Unsere echten Bewährungsproben, wo dann keine Entschuldigungen
mehr zählen, kommen noch...
06.05.04 Saisonauftakt nach Maß
Letzten Sonntag haben wir nun endlich unseren Einstieg in die neue Saison
gefunden. Wir starteten beim Halbmarathon in Prien am Chiemsee, einem
malerischen Lauf an den Ufern des Chiemsees und gewissermaßen neben den
diversen Bergläufen auf die verschiedenen Gipfel hier am Alpenrand das
"Top-Laufevent" im Chiemgau.
Zunächst das Wichtigste: Frederic hat beim Kinderlauf über 1450 m
teilgenommen und wurde Fünfter in seiner Klasse (Pech für ihn, daß er mit
den 7 und 8jährigen zusammen gewertet wurde, aber er lief -vorbildlich- mit
einem Lächeln im Gesicht ins Ziel hatte also offensichtlich seinen Spaß!)
Startschuss für uns dann um 9h30min. 633 Teilnehmer, darunter 150 Frauen.
100 m geradeaus, scharfe Linkskurve, 400 m auf schmalem Pfad
Pfützenspringen, scharfe Rechtskurve, 50 cm breiter Trampelpfad, Linkskurve,
10m steil bergauf über eine Holzbrücke, in einer Rechtskurve steil bergab,
auf 1m breiten Schotterwegen kurvig dahin, längerer Anstieg.....so ging das
die 21,2 km, der Chiemsee direkt im Blickfeld. Wenn man Zeit gehabt hätte,
wäre es richtig romantisch gewesen :-)
Harald lief von Beginn an vorne weg und konnte das Männerrennen in 1h
15min als Gesamtsieger beenden. Ich gewann die Damenkonkurrenz mit 7 min
Vorsprung in 1h28 min. Mehr Ergebnisse unter
www.lg-chiemsee.de, bzw.
www.ergebnislisten.de

21.04.04 Hitzegewöhnung
Seit Sonntag sind wir aus dem Urlaub zurück. Uns
hat es richtig gut gefallen. Es war toll organisiert und wir wohnten in
einer schönen, perfekt gelegenen, neuen und sauberen Hotelanlage, mit
vortrefflicher Cappuccinobar und rosa Eis (wichtig für Anna-Marie, die seit
einigen Monaten ihre "rosa Phase" durchläuft). Mittlerweile hat sich wieder
alles ganz gut eingespielt. Das Training in der Toskana lief wirklich gut
und wir konnten uns an unsere Wettkampfräder gewöhnen. Falls es in Roth nun
wirklich heiß werden sollte......wir konnten uns ja in der Toskana an höhere
Temperaturen gewöhnen :-) Hier einige Trainingsbeispiele:
4mal zwischen 2,6km und 4,2km Schwimmen im
unbeheizten 14-15 Grad Hotelpool (zuhause waren die Seen bis vor 3 Wochen
z.T.noch zugefroren)
2 Radeinheiten Kraftausdauer von 2,5h bzw. 3,5h
Dauer bei Regen und 12 Grad (-5 Grad in Unterwössen und Neuschnee)
35km Laufen mit 5km Endbeschleunigung bei starkem
Dauerregen
Es hat also nicht geschneit. Ich finde, das war zu
dem Wetter hier in den Bergen schon eine Steigerung und wir fühlten uns
deshalb richtig wohl. Alles eine Frage der Perspektive. Ansonsten kann man
in der Toskana noch stundenlang (Unsere Schallgrenze lag bei 5h) radeln,
ohne dass dir Radfahrer oder Autos begegnen. Es ist einfach traumhaft. Die
ersten 2 Tage hat Anna-Marie mit ihrem 12 Zoll Rad mehr Radkilometer
absolviert wie Harald und ich. Sie ist die 14 Tage täglich mehrere Einheiten
und mehrere Stunden in der Hotelanlage (Autofrei) herumgeradelt und stieg
nur zum Essen vom Rad. Okay, das Essen auf dem Rad muss sie noch üben :-)
Aber sie ist auf dem richtigen Weg :-) Wahrscheinlich aber nicht, um später
diese Lutscherrennen zu absolvieren. Dafür muss man nicht mehr soviel
Radfahren trainieren, wie Anna-Marie es getan hat. Aber sie schafft sich die
Grundlage, um in Uschi Disls Spuren treten zu können - Biathlon :-),oder
doch Evi Sachenbacher ? Biathlon wird ja eh immer noch gleichgesetzt mit
Triathlon, hier in unserer neuen Wahlheimat :-)
Wir haben ziemlich ausgewogen trainiert. 800
Radkilometer, 190 km Laufen und 14 km Schwimmen, dazu noch ca. 3h Gummiseil,
Bauch, Rumpf, Rücken und Sonstiges. Dehnen ist ausgefallen, dafür haben wir
Schokolade und Eis gegessen und Rotwein getrunken. Manchmal natürlich auch
Nudeln und Pizza :-)
Zum lang und ruhig radeln, wie es bei den meisten
Triathleten im Ostertrainingslager beliebt ist, hatten wir keine Zeit.
Meistens waren wir auf der Flucht, weil unsere Babysitterin zu einer
bestimmten Zeit wieder weg musste. So kam es schon mal vor, dass wir die
letzten 40 km einer Radeinheit im Schnitt von 38 km/h die Küstenstraße
zurückgebrettert sind, um einigermaßen pünktlich wieder am Bungalow zu sein.
So haben wir neben ein paar Grundlagenausdauerkilometern auch ein paar harte
Kilometer gesammelt, neben den Kraftausdauereinheiten auf dem Rad. Als es in
der ersten Woche einmal geregnet hat, sind wir einfach statt 3h Rad, 3h
gelaufen. Im nächsten Regen haben wir im Pinienwald 10x500 Wettkampftempo
mit 500 m Joggen geschafft, oder auch mal einen Tempodauerlauf, oder einen
Rad-Lauf Wechsel. Der Weg ins Schwimmbad hätte bei uns wieder fehlende Zeit
mit den Kindern bedeutet. Deshalb haben wir kurzerhand unsere Neos
ausgepackt und sind im 25m Pool der Hotelanlage geschwommen. Nach 50m hatte
man sich auch an das 15 Grad kalte Wasser gewöhnt und konnte in Ruhe
schwimmen. Pausen durfte man allerdings nicht viele machen :-)
Unsere Anna-Marie macht seit Montag jeden Morgen um
6Uhr 30 Druck. Ohne Frühstück steigt sie in Strunzscher Manier aufs Rad und
will sofort in den Kindergarten fahren (2km, natürlich nur in Begleitung).
Unterwegs müssen wir aber dann doch in die Bäckerei einbrechen und eine
Breze kaufen :-) Hungerast....es muss also noch mehr Fettstoffwechsel
trainiert werden :-)
Ich melde mich nach der Ruhewoche wieder !
26.03.04 Expedition "Challenge": Zwischenbilanz
Die bisher härteste Tri-Expedition an der
Grenze zu Österreich bisher ohne Verluste und zum Endspurt bereit.
Ein langer und ereignisreicher Weg liegt hinter
uns. Nach 177 Tagen, d.h. rund 64 % unseres Vorhabens und rund 1500
Laufkilometern, 3000 Radkilometern und rund 100 Schwimmkilometern haben
Harald und ich unser Ziel Challenge Roth, auf 47 Grad 70`N gelegen, zu 64 %
erreicht. Wir befinden uns jetzt noch 1 Woche im, seit 4 Monaten im ewigen
Eis und Schnee versunkenen, Unterwössen, auf 47 Grad 45`N gelegen.
Einheiten bei minus 15 Grad
Schwer bepackt waren wir motiviert am 1. Oktober
bei gutem Wetter und Plusgraden aufgebrochen. Unsere "Anhängsel" schoben wir
dabei im sogenannten Babyjogger aus Aluminium vor uns her. Dieser Joggertyp
hat sich bei Tri-Expeditionen als leicht und doch sehr stabil bewährt. Wir
haben insgesamt pro Jogger an die 15 kg Mensch, Proviant und Polarausrüstung
darauf untergebracht.
Bei Temperaturen um die -15 Grad und oftmals
starken Orkanböen fürchteten wir schon Materialverluste, die sich aber
niemals bestätigten. Schwere Eispressungen und offenes Wasser machten immer
wieder Umwege erforderlich. Gelegentlich mussten wir Landzungen und Berge
überqueren, um den Schneeverwehungen und dem offenen Wasser auszuweichen.
Die Strecken, die wir bewältigten haben mich immer
wieder an eine Nordpolexpedition erinnert. Unüberschaubare Flächen von
zerrissenem und gepressten Eis, das einen bisweilen nur im Schneckentempo
vorankommen ließ. Die meterdicken Eis- und Schneeschollen sind wie durch ein
gigantisches Erdbeben kreuz und quer übereinander geworfen worden. An
einigen Stellen ist es so schlimm gewesen, dass wir zu weiten Umwegen
gezwungen waren. Dazwischen immer wieder frische Spuren von Loiplern und
Alpinern, die es hier in großer Zahl gibt. Glücklicherweise finden diese
genügend Jagatee - ihre Hauptnahrung, so dass sie offenbar kein Interesse an
uns fanden. Je nach Gelände und Wetter haben wir zwischen 8 und 35 km
geschafft. Manchmal schafften wir gar nichts, weil uns ein Sturm oder starke
Schneefälle am Stützpunkt zurückhielten. Geduld ist eine der Tugenden, die
man auf Expeditionen unbedingt benötigt. Erzwingen lässt sich nichts. Bei
heulendem Sturm und waagrecht fliegendem Schnee sind wir froh, in unserem
sturmerprobten CRAFT Klamotten eingekuschelt in Decken zu liegen. Während
draußen im Blizzard die Welt unterzugehen scheint, fühlen wir uns in unserem
Stützpunkt sicher und geborgen.
Wäre uns mit schlechterer Ausrüstung und
eintöniger, unausgewogener Ernährung (ohne Powerbars) der Weg bis hierher
auch gelungen ? Wohl kaum ! Die Tagesleistungen unserer Expedition sind
manchmal beeindruckend :-) Während wir in trockener, warmer Kleidung einen
unserer bewährten Powerbars verzehren, müssen wir daran denken, wie es
früher war. Unterzucker war ein Schreckgespenst früherer Expeditionen
gewesen - heute zum Glück nur noch ein seltenes Problem. Aber trotzdem ist
unsere Tour hart. Das tägliche Bewegen und das Schieben des schweren
Joggers, das tückische Eis, die Eiseskälte, die Nässe erfordern von uns
einen 100 % Einsatz und ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit. Aber trotz
aller Härten wird man immer wieder durch großartige Naturerlebnisse belohnt.
Ob es der Sonnenaufgang hinter den Bergen ist, der die Landschaft in
leuchtende Rot-Gelb Töne taucht oder ob es eine Herde von Hochlandrindern
ist, die sogar bei diesem Wetter auf der Wiese stehen, oder ob es die
bizarren Eisformationen auf den Bergen sind. Es wird nie langweilig, immer
ist es irgendwie anders. 177 Tage sind eine lange Zeit. Und trotzdem sind
die Tage wie im Fluge vergangen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich
mit Harald, Anna-Marie, Frederic und Marc-Philipp das ideale Team für diese
Tour gefunden habe. Als wir vor 177 Tagen aufbrachen lagen die Temperaturen
noch in den Plusgraden. Seit Ende Oktober müssen wir uns bei teils sehr
niederen Minustemperaturen und Schnee fortbewegen.
Auch wenn es wieder seit 5 Tagen heftig geschneit
hat, taut der Schnee ganz langsam ab. Er wird schwer und auf dem Eis bilden
sich Schmelzwassertümpel und Moraste aus weichem Schnee. Der Frühling steht
vor der Tür - es wird aber noch bis Ende April dauern, bis der Schnee soweit
geschmolzen ist, dass wir ungestört auf der Straße vorwärts kommen. Bis
dahin gibt es viel zu tun.
Nach der langen Zeit im Schnee freuen wir uns jetzt
darauf, bald mit unseren Rädern wieder in Fahrt zu kommen !!
In 99 Tagen und 9 h werden wir kurz vor dem Ziel
sein ! Weitere 10 Stunden wissen wir mehr !
Bis bald :-) :-) :-)
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