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Der Haardman bleibt der Haardman  

 (von Olaf Krimpmann)

TRIATHLON: Belinda Granger und Lothar Leder siegen im Regen / Zukunft gesichert / Schwerer Unfall beim Schwimmen 

Für den Kohler Haardman, der schon im letzten Jahr im Hagel untergegangen ist, war das Wetter am Samstag fast schon zu gut. Sehr kühl war’s zwar, aber immerhin  trocken. Bis um 17.30 Uhr. Lothar Leder hatte das Ziel so gut wie vor Augen,  als er und die geschätzten 20.000 Besucher, die sich den ganzen Tag rund um die Kanäle in Datteln tummelten, vom Regen überrascht wurden. Machte aber nichts: Der Favorit aus Darmstadt sowie die Australierin Belinda Granger liefen unter dem Jubel Hunderter von Zuschauern als Sieger 2005 ins Ziel auf dem Sportplatz des TV Datteln 09 ein. 

Beide lieferten einsame Rennen auf höchstem Niveau. Leder hatte sich schon früh seines ärgsten Rivalen Timo Bracht entledigt, der im Schwimmen kurzzeitig orientierungslos war. Granger profitierte auch vom krankheitsbedingten Aus von Nicole Leder, die entkräftet das Rad in der zweiten Runde an die Seite stellte. Aber ob mit oder ohne echten Konkurrenten: Was die Haardman-Sieger 2005 demonstrierten, war allerfeinste Triathlon-Kost auf höchstem Niveau. In drei  Wochen, wenn sich die beim Haardman vorne platzierten Athleten fast ausnahmslos beim Quelle Challenge in Roth wiedersehen werden, gelten Lothar Leder und Belinda Granger dort als Top-Favoriten.

Bei den Frauen liefen Heike Funk und die Italienerin Edith Niederfriniger aufs Podest, während bei den Herren Titelverteidiger Timo Bracht Platz zwei sicher behauptete. Dahinter kam es zum heißesten Duell des Tages, das sich Michael Hofmann und Heiko Tewes lieferten. Erst wenige hundert Meter vor dem Ziel konnte der amtierende Vize-Weltmeister der Feuerwehrleute aus Roth dem Lokalmatadoren davon ziehen.

Die Haardman-Premiere in Datteln war aber nicht nur sportlich top. Die Verlegung ans Dattelner Meer rief auch bei den Aktiven ausnahmslos positive Reaktionen hervor. Wie die gesamte Veranstaltung. Viele Dattelner Vereine trugen zum Gelingen bei, vor allem im Zielbereich und der Wechselzone beim TV 09 war’s mitunter proppevoll.

Neuauflage am10. Juni 2006

Dass der Haardman auch 2006 stattfinden wird, gilt bereits als sicher. Nicht nur Bürgermeister Wolfgang Werner, übrigens selbst als Schwimmer in einer Staffel am Start, zog ein überaus positives Fazit der Veranstaltung. Auch Titelsponsor Kohler zeigte sich mehr als zufrieden. „Tausend Dank bei allen Helfern aus den Vereinen. Wir sind froh, wenn Hände so ineinander greifen, wie das hier geschehen ist. Hier gibt es die besten Voraussetzungen, und mit allen Verbesserungen, die man noch  achen kann, dürfte die Zukunft des Haardman hier in Datteln kein Problem mehr  darstellen“, so Kohler-Geschäftsführer Christian Wegner. Haardman-Termin für 2006 wäre Samstag, 10. Juni, drei Wochen vor dem Quelle Challenge in Roth (2. Juli).

Der Triathlon, der 800 Sportler aus zwölf Nationen ins Kreisgebiet gelockt hatte, soll sich damit endgültig als „die“ Generalprobe für das populärste Langdistanz-Rennen in Europa etablieren. Was er indes aber schon längst ist. „Das war mein erster harter Wettkampf in diesem Jahr und er wird es vor Roth auch bleiben“, so der Haardman 2005, Lothar Leder, der im übrigen wie alle Tops bereits am Samstag signalisiert hat, auch 2006 wieder in Datteln an den Start gehen zu wollen.

Überschattet wurde die Veranstaltung von einem schweren Schwimm-Unfall beim Volkstriathlon. Ein 49 Jahre alter Recklinghäuser erlitt im Wasser einen Herzinfarkt und musste noch an der Strecke reanimiert werden. Sein Gesundheitszustand galt gestern noch als sehr kritisch. Bereits im vergangenen Jahr hatte es im Schwimmwettbewerb einen ähnlich schweren Unfall gegeben.

Zum Glück nur „Blechschaden“ gab es, als unachtsame Zuschauer die Strecke kreuzten und Lars Weber vom Starlight Team Essen spektakulär ausweichen  musste. Während der Athlet nach einem Zusammenprall mit einem Straßenschild unversehrt geblieben ist, entstand an dessen 6 000 Euro teurem Rad hoher Sachschaden. Der Unfallort hatte sich indes schon früh als heikler Punkt herausgestellt. Mehrfach kam es zuvor zu Beinahe-Unfällen. „Die Leute unterschätzen eben, wie schnell wir wirklich sind. Da bekommt man auch im Wohngebiet 45 Sachen drauf“, erläutert Heiko Tewes.

  

KOMMENTAR

Ruhrpott-Folklore zwischen Käsebrötchen

Der Kohler Haardman in Datteln war vor allem eins – eine ehrliche Veranstaltung, meint Olaf Krimpmann 

Selbst die Kollegin aus Hamburg, die für das Fachblatt „Triathlon-Magazin“  schreibt, war sprachlos. Solch eine Veranstaltung wie den Kohler Haardman am Samstag hatte auch sie noch nicht gesehen. „Familiär, einzigartig und überhaupt  nicht kommerziell“, waren ihre Worte.

Da passte es ins Bild, dass bei der Pressekonferenz statt der üblichen, werbewirksam ins Bild gesetzten Sponsoren-Brause eben Käsebrötchen in Reichweite der Top-Athleten standen. Oder dass statt kahlköpfiger und sonnenbankgebräunter Muskelpakete in schwarzen Anzügen eben die Jungs vom Motorradclub Roadbreaker mit ihren Kutten die Security mimten. Es war eben allerfeinste Ruhrpott-Folklore in Reinkultur, die den Startern aus dem In- und Ausland präsentiert worden ist.

Denn der Kohler Haardman war vor allem eins: Eine ehrliche Veranstaltung. Das größte Lob kam aus dem Mündern der Top-Stars, die nicht nur artig in der Pressekonferenz Datteln und das Publikum lobten, sondern auch im Vier-Augen-Gespräch danach, das stets mit den Worten begann: „Also jetzt mal ehrlich...“

Natürlich hat es hier und da geknackt und geächzt im Gebälk. Viele Punkte sind  verbesserungswürdig, und nicht alle Athleten, Helfer oder Vereinsvorsitzende  waren so begeistert wie die des TV 09 und des Rudervereins, wo es Live-Musik  gab und der Zapfhahn übrigens noch nachts um 1:30 Uhr geöffnet war.

Fatal wäre es jetzt aber, die vielen kleinen Mängel an der Öffentlichkeit zu zerreden und eine Veranstaltung schlecht zu machen, die in der Region sowohl in der Spitze wie auch in der Breite einzigartig ist. Fatal wäre es auch, wieder den Weg  zurück zu gehen und zu versuche, Dinge teuer einzukaufen, die mit Herzblut  weitaus billiger und irgendwie auch schöner „erkauft“ werden können.

Und mit seinem Satz „Ich will das Ding“ darf man Dattelns Bürgermeister Wolfgang Werner getrost beim Wort nehmen. Eins ist damit seit Samstag gewiss: Die Zukunft des Kohler Haardman. Er hat ein neues und passendes Zuhause gefunden. Oder, wie es andere sagen würden: Ein schönes, neues Wohnzimmer.

 

„Gut reicht gegen diesen Leder nicht aus“

HERREN: Der neue Titelträger macht ein einsames Rennen / Starke Rad-Leistung  ist der Grundstein 

Er war angetreten, um den „Pott“ wieder mit nach Hause zu nehmen. Am Ende musste Titelverteidiger Timo Bracht eingestehen: „Im letzten Jahr habe ich hier  einen Super-Wettkampf hingelegt. Heute war er auch gut, aber gut reicht nicht  aus, um gegen diesen Lothar Leder zu bestehen.“

In der Tat: Dass der Rekordsieger von Roth ein derart einsames Rennen machen würde, hatte im Vorfeld wohl niemand erwartet. Hat Lothar Leder zu tief gestapelt? „Nein, ich wusste wirklich nicht, wo ich stehe. Den Saison-Auftakt in Buschhütten konnte man nicht zählen. Heute war es der erste Härtetest gegen richtig gute Gegner. Ich bin selbst positiv überrascht“, so der 34 Jahre alte Mannheimer, der sich neben dem Riesen-Pokal auch noch die Prämie von 1000 Euro gutschreiben konnte.

Leder hatte das Duell bereits im Wasser gewonnen. Nicht zuletzt auch, weil Bracht kurzzeitig die Orientierung verlor und am Wendepunkt ins Feld kraulte. Fast eine Minute nahm Leder dem 29-Jährigen ab. Doch die wahre Stärke zeigte sich  erst in der zweiten Disziplin: Der Haardman-Titelträger 2006 fuhr einfach alles  in Grund und Boden. „Auf dem Rad habe ich richtig Druck gemacht“, so ein  sichtlich zufriedener Leder.

Bracht versuchte wie auch Heiko Tewes zu folgen, doch der Abstand vergrößerte sich von Runde zu Runde. Nach dem letzten Wechsel „wusste ich, dass ich einen Vorsprung von mindestens 2:30 hatte. Ich bin dann sehr kontrolliert gelaufen, denn wenn es noch einmal eng geworden wäre, hätte ich so taktisch reagieren können und hätte nochmals zugelegt“, erzählt Leder, wie er zu seinem letztlich klaren Sieg kam. Bestens informiert war der Favorit ohnehin, schließlich versorgte ihn die früh aus dem Rennen ausgeschiedene Ehefrau Nicole stets mit den aktuellen Zeiten der Konkurrenz.

Die Wege von Bracht und Tewes indes trennten sich beim Laufen. Der Mannheimer  selbst lief taktisch klug. Da er nicht mehr auf Leder auflaufen konnte,  beschränkte sich der entthronte Titelverteidiger darauf, einen komfortablen  Vorsprung auf seine Verfolger, zu denen auch Michael Hofmann aufgerückt war,  zuzulegen. Auf Platz fünf kam ein überglücklicher Dr. Harald Funk  ein: „Unglaublich. Und das, obwohl ich bis heute keinen echten Wettkampf in  diesem Jahr gemacht habe.“

„Zum Nachahmen empfohlen“

Bracht wie Leder äußerten sich am Ende sehr positiv über die Haardman-Premiere in Datteln. „Um uns wird sich hier sehr gut gekümmert. An der Strecke war richtig was los, sie war sehr gut abgesperrt, was nicht bei allen Veranstaltungen die Regel ist. Und wenn ich sehe, wie viele Vereine sich hier einbringen, dann kann man nur sagen: Das Konzept ist zum Nachahmen empfohlen. Wir kommen auf jeden Fall wieder“, so Leder.

In dieser Verfassung, so sind sich auch die Athleten einig, wird an Lothar Leder in Roth kein Vorbeikommen sein. Der 34-Jährige gibt sich dennoch gewohnt bescheiden. „Roth ist noch weit weg. Nächste Woche geht’s nach Erding, wo ich aber nicht das Letzte aus mir herausholen werde und dann wird’s etwas ruhiger. Wichtig ist, bis Roth gesund zu bleiben.“ O.K.

 

 

„Heute wollte ich es wissen – er oder ich“

LOKALMATADOR: Heiko Tewes trennen am Ende ganze 20 Sekunden von einem Platz auf dem Podium 

Am Ende konnte er wieder lachen. Heiko Tewes, Lokalmatador beim Kohler Haardman  und zusammen mit Michael Hofmann der Protagonist des spannendsten Duells 2005.

Über 20 Kilometer waren sie gemeinsam gelaufen, über 20 Kilometer, die an den Nerven zerrten. Beide wussten: Nur einer schafft es aufs Podest. Blieb nur die Frage: Wer?„Ich hab’ ihm den Vorschlag gemacht: Lass uns gemeinsam einlaufen, doch er wollte nicht“, so Tewes.

Der am Ende dennoch „super  zufrieden“ war. Morgens noch selbstkritisch („Ich habe zuletzt wenig trainieren  können“), Abends mit der Gewissheit, „so schlecht gar nicht gelaufen zu  sein“.

Als Drittschnellster kam der 34 Jahre alte Oer-Erkenschwicker aus dem Wasser. Zwischen Tewes und Leder hatte sich überraschend Conrad Kebelmann geschoben, der aber bereits auf dem Rad an Boden verlor. Dort versuchten Tewes und Timo Bracht, den Abstand auf Lothar Leder zu verkürzen. Ein ebenso schweres wie erfolgloses Unterfangen: „Lothar ist in einer Bomben-Form, da haben wir nichts machen können“, so der für Bayer 05 Uerdingen startende Oer Erkenschwicker.

Auch, dass Timo Bracht auf der Laufstrecke schnell enteilte,  konnte Heiko Tewes verschmerzen: „Im letzten Jahr lag ich auf 20 Kilometern zehn Minuten hinter ihm, jetzt waren es bei 24 nur fünf. Das ist doch mal ein echter Fortschritt“, so der beim Haardman am Ende zweitschnellste Amateur, der hauptberuflich an der Fachhochschule in Recklinghausen tätig ist.

„Es war für mich ein geiles Rennen“

„Heute ist alles so super gelaufen, das war so ein geiles Rennen, da war es am Ende egal, ob ich Dritter oder Vierter geworden bin“, schließt Tewes, der überdies weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: „Unglaublich, wie viele Leute draußen waren und mich unterstützt haben.“

Bleibt nur die Frage: Warum hat sich „Micki“ Hofmann nicht auf einen gemeinsamen Zieleinlauf eingelassen? „In Roth ist er noch an mir vorbei gezogen. Heute wollte ich es wissen: Er oder ich“, so der Berufs-Feuerwehrmann, der durchaus überlegt, ins Profilager zu wechseln. Das Zeug dazu hat er zweifellos. „Heute haben die jungen Wilden zugeschlagen“, so Tewes über Hofmann (24) und Haardman-„Vize“ Bracht (29).

Zumindest in Sachen Renntaktik ist Hofmann bereits ein echter Profi. „Zweimal hat er angezogen. Einmal bin ich hinterher, beim zweiten Mal aber war Schluss. Diese Tempowechsel sind nicht mein Ding. Ich bin einer, der lieber konstant durchläuft“, berichtet der Oer-Erkenschwicker,  der 20 Sekunden nach Hofmann finishte.

Michael Hofmann war am Ende ebenfalls glücklich, zumal ihn selbst seine Leistung am Samstag am meisten erstaunt hatte. „Beim Schwimmen bin ich erst mit der zweiten Gruppe rausgekommen. Als ich in der Wechselzone aber dann noch das Rad von Timo Bracht stehen gesehen habe, da fragte ich mich auf einmal selbst: Hoppla, was machst du denn hier? Dann lief es wie von selbst. Zu Heiko bin ich auf der ersten Runde aufgelaufen. Wir haben uns belauert. Als ich das Tempo verschärft hatte, bekam er Probleme.“ O.K.

 

Zitate:

Den Lothar habe ich nach dem Schwimmen erst beim Masseur wiedergesehen. Und da er gewonnen hatte, durfte er sich auch noch die beste Masseurin aussuchen.   Timo Bracht über den Rennverlauf aus seiner ganz persönlichen Sicht 

Vielen Dank an die Leser. Ich habe am Samstag beim Kaffee doch heftig laut  lachen müssen. Aber schön war’s trotzdem. Dankeschön.   Heiko Tewes, der bei unserem Leser-Gewinnspiel höher gewettet war als Lothar  Leder.

 So eiskalte Füße hatte ich noch nie. Ich habe ur-lange gebraucht, um in die  Socken zu kommen. Erst nach zwei, drei Kilometern wurde es an den Füßen wieder  warm.   Edith Niederfriniger über ihre erste Haardman-Erfahrung.

 

Eigentlich sollte man meinen, dass das nach 17 Jahren so langsam nachlässt.  Heike Funk über ihre Aufregung vor dem Start.

 

Ich wollte mal eben nachfragen, welche Zeit denn der Bürgermeister geschwommen  ist?   Lothar Leder bei der Pressekonferenz. Der Sieger hatte die schnellste  Schwimmzeit vorgelegt. 

Einige Profis haben unter diesen Temperaturen sicher gelitten. Wir aber nicht.  Das war für uns wie ein normaler Trainingstag in Unterwössen. Harald Funk, der zusammen mit Heike in den Bergen nahe der österreichischen  Grenze beheimatet ist. 

Letztes Jahr wurde ich Fünfter, diesmal Vierter. Wer weiß, vielleicht klappt es  ja im nächsten Jahr mit einem Platz auf dem Podium.  Der im Kampf um Platz drei um gerade einmal 20 Sekunden geschlagene Lokalmatador  Heiko Tewes blickt schon auf das Jahr 2006

 

Ein Duell wird zur Demonstration

FRAUEN-RENNEN: Granger überragt, Nicole Leder gibt auf 

Mitbekommen hatte sie es erst, als sie zum zweiten Mal die Wechselzone erreicht  hatte. Etwas am Rennverlauf geändert hätte diese Information ohnehin nicht  mehr – die Aufgabe von Nicole Leder in der zweiten Radrunde spielte für Belinda  Granger am Samstag keine Rolle. Die Australierin erwischte beim Kohler Haardman einen absoluten Sahne-Tag, den sie mit einem überlegenen Sieg krönte. „Wenn man  die Bedingungen sieht, dann war das ein perfektes Rennen für mich“, gab die Australierin zu Protokoll.

von Olaf Krimpmann

In Europa hat die 34-Jährige noch keinen Sieg in einem bedeutenden Rennen  erringen können. Am Samstag endlich war es soweit. Der Publikumsliebling, der sich nicht zu schade war, Stunden nach ihrem Rennen auch den letzten Athleten  im Ziel zu begrüßen, hatte nicht zu viel versprochen: „Ich bin gekommen, um hier zu gewinnen“, hatte sie bekanntlich noch direkt nach ihrer Ankunft am  Mittwoch selbstbewusst gesagt.

Nur aus dem mit Spannung erwarteten Duell mit ihrer Dauer-Rivalin Nicole Leder sollte es nichts werden. „Ich weiß nicht, was es ist. Aber ich fühlte mich schon die gesamte Woche sehr schlapp. Auf dem Rad war ich dann leergepumpt“, so eine enttäuschte Nicole Leder. In drei Wochen steht Roth an, und die Titelverteidigerin weiß nicht, wo sie steht. Nach Thomas Hellriegel bei den Herren traf das Favoritensterben 2005 damit auch die Frauen-Konkurrenz.

Belinda Granger indes spulte ihr Programm präzise wie ein Uhrwerk ab. Hinter der schnellen Italienerin Edith Niederfriniger kam die Australierin aus dem Wasser, und was dann auf dem Rad folgte, kann man wohl nur mit dem Wort sensationell beschreiben. Über fünf Minuten war Granger schneller Heike Funk, der zweitschnellsten Frau auf dem Rad, die überdies an einer mäßigen Schwimm-Zeit zu knabbern hatte. Eine wahre Demonstration!

Australierin jetzt ohne Schwächen

„Ich fühlte mich absolut prima und hatte diesmal keine schlechte  Phase“, sprudelte es am guten Ende aus Belinda Granger heraus, die trotz ihres mehr als komfortablen Vorsprungs zeigte, dass sie mittlerweile offenbar keine Schwächen mehr hat: Ihre Laufzeit von 1:42,21 min. wurde nur noch getoppt von Niederfrinigers 1:39,08.

Und damit katapultierte sich die weithin unbekannte  Italienerin, die seit 2002 Mitglied der Langdistanz-Nationalmannschaft ist, sogar noch auf den dritten Podestplatz. Platz zwei allerdings ging nach Unterwössen ins oberbayerische. Heike Funk rettete ihren Vorsprung vom Rad beim Laufen ins Ziel und machte damit den Tag für die „Funkfamily“ perfekt: „Sogar die 24 Kilometer Laufen haben Spaß gemacht und waren längst nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Es war keine bombastische Laufzeit, für mich aber okay.“

Kein Wunder, dass die 37-Jährige am Ende nur noch mit ihrem Mann Harald,  Fünfter im Herren-Feld, um die Wette strahlte. Denn beim Schwimmen hatte die  dreifache Mutter beinahe alle Chancen auf eine vordere Platzierung verspielt,  hatte dafür aber eine ganz banale Erklärung: „Das Schwimmen war eine  Katastrophe. Aber ich habe wie fast alle Tops bei der Wettkampfbesprechung  nicht richtig zugehört und bin dann in die Masse reingeschwommen. Rechts hoch, links zurück, sollte es wohl sein. Aber egal, ich kann mich heute nicht beschweren.“

Das Wichtigste allerdings aus Sicht des Veranstalters war: Granger, Funk, Leder, auch Niederfriniger – sie alle wollen 2006 wiederkommen. „Selbstverständlich“, so Belinda Granger, die zuvor aber in Roth noch eine Rechnung zu begleichen hat. Dass die Australierin gerade nach dem Aus für Nicole Leder in Datteln dort zur absoluten Top-Favoritin aufgestiegen ist, will Granger aber nicht hören: „Eine Langdistanz ist immer eine komische Sache.  Da kann so viel passieren“, sagt sie und blickt dabei wohl in erster Linie auf ihre eigenes Resultat im vergangenen Jahr zurück.

 

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